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Eine ausgesprochen unbehagliche
Atmosphäre beschwört Silke Andrea Schuemmer
in "Garn" herauf: Die Geschichte schildert den Besuch
eines Lebensmittel-Lieferanten in einem ausschließlich
von Frauen bevölkerten Haus, wobei eine der
Damen im Bett liegt, während zwei weitere sich
auf ihren Tod vorbereiten und an Kanapees mit Zungenwurst,
durchaus aber auch an anderen fleischlichen Gelüsten
interessiert scheinen. Schuemmer bedient sich einer
sehr detaillierten, bildreichen Sprache, die dem
Leser augenblicklich Gesichter in den Kopf zaubert. |

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Gerhard Horriar in MOVIE vom
Mai 2005:
Es gibt sie noch, die Weltverbesserer.
Junge Menschen, die fest daran glauben, daß man
sich in den paar Jahren, die einem hienieden beschieden
sind, mit Literatur beschäftigen kann. Daß Texte
nicht nur dazu da sind, dem Leser die Zeit zu vertreiben,
sondern auch, sie ihm näher zu bringen. Die
viel investieren, um mit anderen diese Freude zu
teilen. Daniel Ketteler und Christoph Wenzel sind
solche Menschen. (...) Unter ihnen (den Autoren)
sind bekannte Namen: Joachim Sartorius etwa, der
drei Gedichte beiträgt, Silke Andrea Schuemmer
mit einer beeindruckend präzisen Schilderung
(Lesen Sie sich das bitte laut vor!) oder Georg Klein
(Lesen Sie bitte "Libidissi"!), dessen
wunderbare Miniatur "Wein und Brot" der überzeugenste
Prosatext von [SIC] 1 und das Geld allein schon wert
ist.
Wiebke Poromka in der taz Berlin:
Zusammen mit Lyrik und
Prosa von unbekannten Dichtern kommt so in der ersten
Nummer von [SIC] eine heterogene Mischung zustande:
Die nach Brecht klingenden Gedichte von Jan K. Woike
stehen neben der romantisch eingefärbten Erinnerungsprosa
von Simon Urban, direkt daneben kühl Sezierendes
von Daniel Zahno und Silke Andrea Schuemmer. Die
Unterschiedlichkeiten sind beabsichtigt.
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Jurybegründung zum 2. Platz des Literaturwettbewerbs
der Akademie
Graz 2003 "Poesie der Stille":
Der Text "Lilith sagt er"
zeichnet sich sprachlich durch höchste Präzision
aus, hier wird die hohe Kunst der Deskription literarisch
vorgeführt. Die Sprache ist sachlich
– kein Wort zu viel – , durchaus im naturwissenschaftlichen
Sinne, die Handlung der Erzählung spielt großteils
in einem Labor, es fällt die gekonnte Reduktion
in der Sprache auf. Dennoch ist die Sprache konkret,
sinnlich, verbunden mit einem hohen Abstraktionsgrad,
worin aber das weibliche Ich in selbstbewußter
Zurückhaltung eingebettet ist. Trotz der präzisen,
vermeintlich naturwissenschaftlichen Sprache gelingt
mühelos die Überhöhung ins Poetische,
worin auch fundierte Spekulationen ihren Platz haben.
Dadurch wird der literarische Raum für die "Poesie
der Stille" weit geöffnet, wie auf alten
Ikonen mit dem goldenen Himmel als Symbol der Transzendenz
schimmert hier Mythologisches mit hohem intellektuellen
Niveau hindurch.
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WAZ vom 15. November 2000 (peh):
Von der Erotik einer Schlingpflanze.
Autorenpaar bei Literaturtagen: Lesen und Lust haben
viel miteinander zu tun
Der Lust am Lesen hat sich
das Literaturmagazin "Macondo" verschrieben. Und
dass Lesen und Lust viel miteinander zu tun haben,
das bewiesen bei den 1. Bochumer Literaturtagen Silke
Andrea Schuemmer und Marcus Jensen. Das Paar gestaltete
auf Macondo-Einladung einen erotischen Abend im "Riff".
"Wie war's für Dich?", unter dieses
Motto hatten die beiden Aachener ihre Lesung gestellt.
Und was sie den Zuhörern präsentierten,
das waren sinnliche Texte, die auf dem schmalen Grat
zwischen Erotik und Pornographie zielsicher die Balance
hielten und nie ins Peinliche abzugleiten drohten.
Kaum zu glauben, dass die beiden Jung-Schriftsteller,
die bereits seit sechs Jahren ein Paar sind, in Bochum
ihren ersten gemeinsamen Auftritt absolvierten. Marcus
Jensen, dessen gelobter Erstlingsroman "Red Rain"
vor Jahresfrist erschien, eröffnete den Abend
mit einer sprachgewandten erotischen Miniatur. Dann
las die 26-jährige Andrea Schuemmer einen Auszug
aus ihrem aktuellen Romanprojekt. (...)
Höhepunkt des Abends war sicherlich Schuemmers
Erzählung "37 Grad im Paradies" über
die erotischen Verstrickungen einer Schlingpflanze
und ihres Besitzers "mit dem grünen Zauberdaumen".
Knisternde Erotik gepaart mit Witz und Raffinesse
- diese Mischung kam an beim Publikum, das zum großen
Leidwesen von Veranstaltern und Autoren jedoch nicht
allzu zahlreich ins "Riff" gepilgert war.
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Aachener Nachrichten vom August 2000: "Silke A.
Schuemmer las in Aachen. Kalt ist der Abendhauch"
Kühl und sinnlich zugleich:
Die junge Autorin Silke A. Schuemmer faszinierte
das Publikum auf dem Aachener Lousberg mit ungewöhnlichen
Texten.
Erst 26 Jahre jung, ist die Aachenerin Silke Andrea
Schuemmer längst ein "alter Hase" der Literatur
- und auch außerhalb der Region keine Unbekannte
mehr. Etliche Literaturpreise künden von ihrem
besonderen Talent, Sprache ganz unverquält zu
neuen Formen und Inhalten zu führen. So auch
in ihrer gelungenen Story "37 Grad im Paradies" (vom
"Playboy" mit
einem Preis für erotische Literatur prämiert).
Mit vegetativer Opulenz erzählt hier eine Schlingpflanze
von ihrer obsessiven Zuneigung zu ihrem Besitzer
- der am Ende natürlich den verschlingenden
Künsten seiner "Liane" erliegt.
Vor diesem erzählerischen Höhepunkt, der
beim Publikum besonders gut ankam, führte die
Schriftstellerin die Lousberg-Gäste in bizarre
Totenreiche: Eine ganz besondere Braut stellte sie
in "Bis es dunkel wird" vor, eine gespenstische Braut
ohne Blumen, Geschenke und den lebenswarmen Kuss
des Liebsten. Die assoziationsreiche und intelligent
konzipierte "Gruselgeschichte" ließ manchen
frösteln; (...) Die skurrile Story "Nachbarn
bringen Brot" aus einer von Günter Grass
herausgegebenen Anthologie und die faszinierende
Episode um eine "Totenleserin" (aus Schuemmers Roman
"Säure
auf Kupfer") konfrontierten auf beunruhigend-lustvolle
Weise mit fast archetypischen Figuren. Schade nur,
dass die Autorin, die Leser und Hörer auf hohem
Niveau zu fesseln vermag, an diesem Abend nichts
von ihrer Lyrik preisgab.
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Darmstädter Echo 6.6.1998: "Prosa
wie Fische im Aquarium. Silke Andrea Schuemmer liest
aus ihren sinnlich-surrealen Arbeiten"
Es muß nicht immer so sein,
daß Sprache sich zuerst dem Verstand öffnet.
Sprache kann auch Melodie sein, kann auch ganz sinnlich
erfahren werden, kann Bilder im Kopf entstehen lassen,
die anders sind als gewohnt. (...) Aber es ist ncht
nur die Faszination am Körperlichen, die die
Autorin zum Dichten treibt, es ist auch Spaß am
Spiel mit Doppelbegriffen ("Schulter-Blatt",
"Stimm-Bänder"), an der Musik, die
sich aus Worten komponieren läßt.
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Klenkes. Magazin für Aachen.
November 1996: "Schreib-Profi. Foglio-Preis
für junge Literatur an Silke Andrea Schuemmer"
"Eine Studentin aus Aachen",
so dpa, habe den mit 25.000 Mark dotierten Literaturpreis
der Kölner Zeitschrift "Foglio" gewonnen.
Studieren tut sie in der Tat. Die 23jährige
als Studentin zu bezeichnen, geht aber an der Realität
vorbei. Silke Andrea Schuemmer ist Profi. Anerkennungen,
Stipendien, Preise noch und nöcher. Das erste
offizielle Lob erhält sie für ein Gedicht,
das sie bei "Jugend schreibt" einreicht. Da ist sie
zwölf und hat zuvor der Familie verkündet:
"Wenn das klappt, werde ich Schriftstellerin." Dieses
Ziel verfolgt sie seither konsequent. Als jüngste
Stipendiatin aller Zeiten erhält sie 1994 einen
Arbeitsaufenthalt im Literarischen Colloquium Berlin.
Dort, wo viele Große der Weltliteratur gearbeitet
haben, im Zimmer von Carl Zuckmayer, konzipiert und
beginnt sie ihren ersten Roman, den sie unlängst
fertiggestellt hat. Darauf angesprochen, will sie
glauben machen, das alles sei ganz normal. Fast ärgerlich
sagt sie: "Wenn ich Geigerin oder Tänzerin
wäre,
käme niemand auf die Idee, ich sie zu jung.
Warum soll das beim Schreiben anders sein?" Selbstverständlich
sie sie vom Schreiben besessen, meint sie, das sei
immer schon eine Zwangslage gewesen, ein Mechanismus,
der sie treibe, Erlebtes aufzuschreiben. "Je mehr
Worte man hat, desto mehr nimmt man wahr", sagt die
Autorin, die definitiv älter als 23 wirkt. (...)
Silke Andrea Schuemmer gehört zu jenen Autoren,
die genau begriffen haben, wie der Hase läuft.
Im Gegensatz zu ihren Texten hat die Autorin Bodenhaftung
behalten. Mit der Aachenerin läßt sich
angenehm plaudern. Sie hat Humor, keine Spur von
Verbissenheit oder Geltungssucht. Die Ästhetik
und die Kunst sind ihr beim Schreiben das Wichtigste,
eine Erzählerin ist sie nicht. Aktuelle Themen
oder gar politische Stellungnahmen haben in ihrer
Literatur keinen Platz. So ist denn auch Remas
Haus "ein experimenteller Roman über
das Schreiben". In ihrer Lyrik brennt sie wahre Bildfeuerwerke
ab, surreale Szenerien und manch skuriller Einfall
finden sich in ihren Prosatexten. (...) |

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